Eine Geschichte von Camillo, der mit 12 Jahren ausgesetzt wurde!

Camillo

 

Eine Geschichte mit Happy-End: 

 Camillo sucht ein zu Hause!

 

Nachdem unser geliebter Collie Cliff ganz plötzlich aus unserem Leben gerissen wurde, wollten wir 
zunächst keinen Hund mehr haben. 
Wir trauerten alle sehr. Da aber unser Cliff nicht auf natürliche Weise von uns gegangen war,
wollten wir wenigstens durch Briefe und Information verhindern,
 dass ein weiterer Collie so unnötig sterben muss.
Nachzulesen unter Geschichte:
Cliff, ein trauriges Ende!

So ging meine Reise los durch die Weiten des Internets.
 Dabei stieß ich  auf die Seite von Frau Jostschulte.
 Natürlich konnte ich dem Drang nicht wieder stehen und schaute mir die Nothunde an.
Dort las ich dann auch von dem Schicksal von Lukas.
 Selbst heute steigen mir bei dem Gedanken an ihn die Tränen in die Augen.
 Als nächstes öffnete ich den Nothund 'Camillo' in Erwartung, vielleicht diesmal nicht
 so etwas Trauriges  lesen zu müssen.
 Doch weit gefehlt. Nach den Sätzen:
Hier ist wieder eine traurige Geschichte, wieder ein alter Collie, der ausgesetzt wurde.
 Hier könnte ich noch mal die Geschichte von Lukas schreiben, es wird genau so gewesen sein.
 Gibt es einen Collieliebhaber, der ein Herz für einen alten Collierüden hat,
der ihm noch ein Plätzchen gibt, ihn liebt trotz seines Alters????
Soll es Camillo so ergehen wie Lukas, im Tierheim sterben????
Und bei einem Blick auf das Foto  war es dann endgültig aus. Mir liefen die Tränen nur noch so runter.
 Ich konnte Camillo nicht mehr aus meinen Gedanken bannen.
 Als nächstes druckte ich Camillos Geschichte aus, stellte ihn dem 'Familienrat' vor und schrieb das Tierheim an.

    So ein alter Hund....geht das gut?

 

Mittlerweile war allen klar....WIR BRAUCHEN EINEN HUND!!!....es fehlte etwas ganz Wichtiges in der Familie.
 Niemand konnte uns unseren Cliff zurück geben, aber wir konnten einem Hund helfen, der in Not war.
 Ich denke, das hätte Cliff auch gewollt.
 Aber einen 12 jährigen Hund? Wer weiß, was der alles hat.

Das Risiko ist groß, dass er  Krebs hat und vielleicht bei uns nur kurze Zeit lebt.
 Hätten wir einen neuerlichen Verlust verkraftet?

 

Camillo hatte die Zähne vereitert. Der Tierarzt in Rathenow sprach davon, dass alle Zähne eigentlich gezogen werden müssten.
 Wie ernährt man einen Hund ohne Zähne? Kann er überhaupt noch gut ernährt werden?
 Laut Tierarzt war das Herz so schwach, das dieser sich nicht traute, Camillo unter Narkose zu setzen, um ihm Zahnstein zu entfernen. Einen alten Hund ins Haus holen, der vielleicht dann keine Zähne mehr hat, ein kaputtes Herz , Arthrose und was so alte Hunde sonst noch so haben??? Können wir diesen Pflegeaufwand leisten? Haben wir so viel Zeit?

Können wir überhaupt  so kurz nach dem Tod von Cliff einen Hund lieb gewinnen?


Auf meinem Spaziergang.....

Und was jetzt?

Es wurde im Familienrat einige Zeit hin und her überlegt.
 Mein Bruder und ich waren Feuer und Flamme für Camillo, unsere Eltern hatten Bedenken.
 Alle Argumente dafür und dagegen wurden in den Raum gestellt und die Frage, ob wir nicht lieber einen
 jüngeren Hund nehmen sollten, der auch in Not ist.
 Denn dass wir einen Collie in Not nehmen würden, stand nach dieser Diskussion fest, nur nicht welchen??

 

Die Entscheidung...Camillo findet ein zu Hause

 

Nach langem diskutieren  hatten wir uns dann endlich für einen Collie entschieden...
  Camillo!!!
Er passte einfach sehr gut zu uns. Hatte keine Probleme mit Katzen und sonst wurde er auch als sehr lieb beschrieben.
 Mit dem Tierheim Rathenow wurde der Samstag als möglicher Tag der Kontaktaufnahme und des Kennenlernens ausgemacht.
 Im Falle dessen, dass die 'Chemie stimmt' wurde vereinbart, dass wir Camillo mit zu uns nehmen können.

Das sind meine 2 neuen Freunde,Knudi und Benjamin.

Am Freitag - einen Tag vor der Fahrt zu Camillo- wurde die Zoohandlung beglückt, ein Körbchen musste her und  eine Decke,
diverse Zahnpflegemittel, natürlich Futter und ein groooooooßes Sortiment an Leckerchen.

Dann war es soweit.....ab nach Ratenow......550 km von uns entfernt wartete ein Hund,
den wir besuchen und evtl. gleich mitnehmen wollten.
 Alle waren sehr aufgeregt. Nach 5 Stunden Fahrt endlich am Ziel:
Das Tierheim!

Die Hunde waren draußen freilaufend und tatsächlich - den ersten Hund, den wir sahen:
 Camillo


 
Mein Lieblingsplatz......

 

Er kam direkt auf uns zu und ließ sich streicheln, wie der Rest der Hundemeute.
Nach einem Gespräch, in dem die Formalitäten geklärt wurden, ging es mit Camillo das erste mal Gassi.
 Er war damals sehr aufgeregt. Auf dem Spaziergang war uns klar: wir fahren nicht ohne Hund zurück.

 

Camillo war auf der Fahrt sehr, sehr ängstlich. Er hat heute immer noch Angst beim Auto fahren
 und springt in Panik aus dem Auto, wenn man die Kofferraumklappe öffnet. Damals war er sehr verwirrt,
 dass er nicht mehr zu den anderen Hunden zurück kam, sondern in ein Körbchen, wo nichts nach ihm roch.
 Mit Leckerlis konnte man ihn beruhigen und wir haben damals schon seine Lieblingssorte direkt herausgegriffen.
 Die ganze Fahrt zurück wurde er Dauer gestreichelt.
 ( Gibt es im Guinnesbuch der Rekorde einen Rekord für Dauer- kraulen? )
 Für ihn war das alles auch sehr sehr aufregend.

 

 Camillo und sein neues zu Hause

 

Eine kleine Anekdote, die uns immer wieder ein Lächeln auf unsere Lippen zaubert ist, als unser Kleiner
 das erstemal die obere Etage besuchen sollte. Wir haben wir ihn wegen seiner Arthrose die Stufen hoch getragen.
 Oben angekommen setzten wir ihn ab, in voller Erwartung, er würde einen Erkundungsrundgang machen.
 Aber, weit gefehlt. Er schaute uns nur an und wenn er ein Mensch gewesen wäre, hätte er wohl den Kopf geschüttelt.
 Grummelte vor sich hin und flitzte geschwind die Treppe herunter und wieder herauf, dass uns das Herz stehen blieb.
 Danach setzte er in aller Seelenruhe seine Erkundungstour fort,
als sei nichts gewesen und hinterließ vier sehr verblüfft dreinschauende Gesichter.


Mir geht es soooooo gut!!

Am Montag nach seiner Ankunft hatten wir direkt einen Termin bei unserem neuen Tierarzt,
der damals den vorherigen Hund in seiner schweren Zeit sofort richtig und sehr liebenswürdig behandelte.
 Er freute sich auch direkt, als er unseren Racker sah.
 Camillo bekam den ersten medizinischen
Rundumschlag:
Die Blutwerte wurden gemessen, nach dem Herz geschaut, die Augen behandelt- ebenso wie die Nase,
der ganze Zahnstein wurde komplett entfernt und  einige  Zähne gezogen usw.
 Alles in allem war er gesundheitlich ( nach der Zahnbehandlung  ) ganz gut drauf. Er ist wohl chronisch nierenkrank,
 aber es ist noch nicht lebensbedrohlich.
 Inzwischen haben wir auch viel Hilfe durch Frau Jostschulte erhalten, die uns mit Bachblüten und Ernährungstipps
 weiter geholfen hat und die uns stets signalisierte, dass wir uns mit Fragen an sie wenden dürfen.
 
  
Juchu..unser Strandurlaub

Das Positive war, Camillo hört sehr gut. Er läuft trotz seiner Athrose sehr gerne.
Im Haus verfolgt er uns auf Schritt und Tritt.
Was uns am Anfang sehr erschreckt hat, war, dass Camillo bei jedem Hund fürchterlich bellte und an der Leine tobte.
 Wenn er ohne Leine war, sauste er wie ein schwarzes Geschoss auf die Hunde zu, bremste ganz kurz vorher ab
 und begrüßte sie danach recht freundlich. Uns und auch den anderen Hundebesitzern blieb jedesmal die Luft weg.
 Camillo schaffte es durch diese Taktik sogar, dass ein stattliches Schäferhundweibchen, das ihn bei weitem
 überragte, mit eingekniffenem Schwanz jaulend das Weite suchte.
 Natürlich kam Camillo sofort, als wir ihn riefen, trotzdem macht dieser Hund seitdem einen Riesenbogen um uns.

Camillo  ist sehr lieb zu unserer Katze.
Man merkte ihr aber an, dass sie gar nichts davon hielt, wieder so einen 'Stinker'
(sie schüttelt sich angewidert, wenn sie den Hund riecht) im Haushalt zu haben.
Die Katze läuft inzwischen wenigstens einmal am Tag bei den Gassis mit, hält sich stets in seiner Nähe auf
 und er verteidigt sie bei anderen Hunden.

 
Das ist Lady, auch eine neue Freundin von mir....

 Familiengenosse Camillo !

Unser Camillo hat sich mittlerweile völlig eingelebt, er ist ein absoluter Schmusehund,
 läuft immer mit und macht uns riesige Freude.
 Wir haben uns  wegen des Bellens an die Hundeschule Animal Learn von Monika Ölscher gewendet.
 Unsere Hundetrainerin ist auch völlig begeistert von Camillo, genauso wie wir.
Camillo lernt sehr schnell und sehr viel auf einmal, es macht ihm geradezu Spaß.
 Es ist eine Freude zu sehen, wie seine Augen leuchten, wenn er in der Hundeschule arbeiten darf.
 Er ist regelrecht begierig darauf, von uns eine Aufgabe zu bekommen.
 Inzwischen, nach einigen 'Lernstunden', bellt er kaum mehr bei Hunden.
Die Hundespaziergänge haben sich extrem gebessert, auch schießt er nicht mehr wie ein geölter Blitz auf
die verdutzten Hunde zu, sondern begrüßt sie meist gemütlich.
Er geht fast die ganze Zeit 'bei Fuß', ohne dass wir ihm das sagen und schnuppert nur hier und da mal bzw.
 was eben ein Hund so draußen tut.

Früher hatte er immer seine Rute total eingezogen. 
Aber wenn wir jetzt kommen, werden wir mit ordentlich Schwanzwedeln stürmisch begrüßt
 ( er freut sich oft so, dass er fast vor Schwanzwedeln umkippt ),
auch beim 'arbeiten ' bzw. Aufgaben bekommen, beim Rennen, Gassi gehen, wenn wir mit ihm reden,
überall  da hält er die Rute mittlerweile entschlossen hoch.


Was da wohl drin ist??

 

Er ist ein richtiger Maulwurf. Neben dem großen Kaninchenstall draußen, buddelt er mit Begeisterung ein Riesenloch.
Am Anfang hatte er angefangen mit Vorliebe im Beet zu graben, oder Blumen, die man gerade eingepflanzt hatte,
fein säuberlich wieder daneben zu legen oder er hat  die Leckerchen vergraben, die er nicht mochte.
Aber inzwischen ist er zu dem besagten Kaninchenstall mit seiner Gartentiefbaugestaltung ausgewichen.


Mein Garten...naja, die Buddelstelle sieht man nicht

Klar, Arztbesuche waren es einige und werden es noch mehr werden.
Auch muss das Futter wegen seinen Nieren auf Spezialfutter umgestellt werden.
Aber wenn dieser kleine Schmusehund ankommt und uns  mit seiner Nase anstupst und mit den
wunderschönen großen Augen anguckt, ist das alles egal.


Einer meiner Lieblingsplätze....
 

Es gibt da zwei Geschichten, die müssen an dieser Stelle einfach noch erzählt werden.
 Sie waren für uns ein Zeichen, dass er sich nun dieser Familie zugehörig fühlt.

 Geschichte Nr.1

Eines  Nachmittages traf ich auf unserer üblichen Gassi-Runde einen netten Hundebesitzer, der selbst einen
 Tierheimhund hat und diesen sehr lieb wieder aufgepäppelt hat.
Wir erzählten  wie üblich ein bisschen und nach anfänglichem Zögern nahm Camillo auch begierig Leckerchen von ihm.
Als wir uns verabschiedeten, wollte er sich wohl einen Spaß mit uns erlauben, denn er versuchte Camillo mit
Leckerchen mit sich mit zu locken. Camillo ging auch das erste Stück mit und ich überlegte mir schon,
wie ich denn meinen kleinen Hund wieder einfangen sollte, denn er schien ganz vertieft in die Leckerchen zu sein.
 Doch plötzlich drehte er sich um, sah, dass ich nicht mitkam, raste wie ein Blitz auf mich zu und drückte sich dann ganz eng an mich. In dem Moment war ich wohl der glücklichste Mensch auf der Welt.

Geschichte Nr 2:

Es war noch in der Zeit vor der Hundeschule, als wir (meine Mutter und ich ) nichts ahnend im Wald herumspazierten
 mit unserem Kleinen. Er lief fröhlich vor uns her und nur rein zufällig drehte ich mich um.
 Was ich da sah, ließ mir mein Herz gefrieren. Ein großer stämmiger Retriever-Schäferhundmischling raste auf uns zu,
 weit und breit kein Besitzer zu sehen. Ich erschreckte mich tierisch, meine Mutter ebenfalls.
 Das war wohl zu viel für Camillo.
 Der Hund war mittlerweile ziemlich nah an uns ran, da schoss ein schwarzer Blitz aus der zweiten Reihe hinter uns vor,
 auf den Hund drauf. So dass dieser erst mal von der Wucht des Aufpralls zu Boden ging.
 Camillo ging, sobald dieser wieder aufgerichtet war dazu über, knurrend hinter ihm her zu rennen
 und versuchte ihn zu packen ( man bedenke...weitgehend ohne Zähne!!!...) Es ist dann noch gut ausgegangen,
 der Hund hat sich fortgetrollt.....Trotzdem, Camillo hatte in dem Moment nur den Drang uns zu verteidigen.
 Erst nachher wurde uns bewusst, das so etwas nur ein Hund macht, der seinen Besitzer liebt!!!
 

 

Aufgrund seiner traurigen Vergangenheit, lassen wir ihn nie mehr als max. 2 Stunden alleine
 und niemals in einer fremden Umgebung. Trotzdem, wehe man kommt als erstes nach Hause, wenn Camillo alleine war.
 Meist rast er mit einer Wahnsinns-Geschwindigkeit vom ersten Stock zur Parterre.
 Da er oft nicht abbremsen kann, läuft er ungespitzt in einen rein und wirft uns fast um.
 Danach wird erst einmal mind. 5 min Dauerknuddeln verlangt. Nach den 5 min kann man es wagen, sich zu lösen.
 Er läuft dann immer um einen herum ganz eng an den Beinen entlangstreichend und brummt vor Freude.

 Ich liebe dieses Ritual.

Wenn ich mal nach Hause komme und keine Langschnauze streckt die Nase aus dem Haustürspalt oder rennt mich
von oben über den Haufen, dann fehlt etwas ganz Entscheidendes:

 

Unser Kuschelhund 

Camillo
geschrieben im November 2004 von Katharina, der Tochter des Hauses 'Camillo' :-)


Ein riesiges Dankeschön an Camillos Familie, dass Sie nach all dem Erlebten den Mut hatten,
einen über 12 jährigen Collie aus dem Tierheim aufzunehmen,
Sie haben ein großes Herz und sehr viel Liebe zum Collie.

Camillo ist nach 2 1/2 Jahren
am 14. Januar 2007  im Alter von fast 15 Jahren in den Armen seiner Familie sanft eingeschlafen.
Regenbogenbrücke Camillo


Heidi Jostschulte

 

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