Die Geschichte eines alten Hundes,
der nicht mehr gebraucht wurde!

Biggy

Freitagabend, es war schon ziemlich spät,
bekam ich einen Anruf, der zusammengefasst diesen Inhalt hatte:

Wir haben eine alte Colliehündin abzugeben, wenn sie die nicht übernehmen können,
wird sie Montag eingeschläfert.
Diese Art der Anrufe kenne ich, habe ich schon viele Male erlebt und jeder, der mit Tierschutz zu tun hat,
weiß genau, jetzt ist Eile geboten.
Also habe ich telefoniert bis in die Nacht, um ganz schnell eine Pflegestelle zu finden,
damit die Colliehündin erst mal
in Sicherheit war.
Als erste Stelle fiel mir Conny ein und nach kurzer Schilderung der Situation kam leise zurück:
Heidi, wir haben schon 3 Collies, dabei die alte Lady aus dem TH Mainz, aber GUT, wir überlegen uns was.......
das war ja schon die halbe Rettung für die Colliehündin.
Conny hatte nicht.. nein... gesagt.
Ich hatte ihr versichert, dass ich versuchen wollte, sie zu vermitteln
und die Colliehündin nur für eine gewisse Zeit bei ihr bleiben solle......
Aber zur Sicherheit habe ich am anderen Tag weiter gesucht,
aber es waren Herbstferien in Süddeutschland und so traf ich wenige Familien an.
Samstag ging dann das Telefon und Conny sagte:  ist gut, wir nehmen die Hündin.....
ich ahnte es, Conny mit ihrem großen Herzen konnte nicht nein sagen.
Also rief ich die Halterin von Biggy, so hieß die Hündin,
an und fragte sie, ob sie bereit wären, Conny entgegen zu fahren......
und auch die Antworten kannte ich...
das Auto ist kaputt, sowieso keine Zeit und überhaupt..................
und nach einer Woche endlosen Telefonaten von Conny und von mir mit der Halterin von Biggy war es dann endlich soweit,
netterweise war jemand bereit, Conny 20 km entgegen zu kommen zur Autobahnraststätte
und die restlichen 250 km ist Conny gefahren.....!

Hier füge ich das ein, was Conny darüber geschrieben hat:



Von der Pflegestelle zum vierten Collie!

Hallo,
ich bin Biggy und möchte  berichten, wie es mir ergangen ist.
Vielleicht gibt das einigen netten Menschen den Mut entgegen aller Vorurteile und Befürchtungen
einem alten oder älteren Hund ein neues Zuhause zu geben.
Wir sind nämlich keine gebrechlichen Greise, sondern PERSÖNLICHKEITEN!!!

Ich lernte mein neues Frauchen am 3.10. 2002 kennen.
Viele, viele Monate hatte ich vorher das Grundstück nicht verlassen,
weil ich angeblich nicht mehr richtig laufen konnte und an diesem Tag sollte ich auf einmal ins Auto steigen.
Dabei hätte ich schon beim aufwendigen Bürsten und der neuen lila Leine,
(wie für einen Kleinhund) und dem Halsband merken müssen, dass hier etwas nicht stimmt.
Die Autofahrt machte mir ziemlich Angst, zumal ich auf der engen Rückbank des Sportwagens nur wenig Platz hatte.
Mit gut 11 Jahren ist man eben nicht mehr so gelenkig.
Als wir dann endlich hielten, war es schon dunkel und es regnete.
Es roch überall nach Abgasen und Herrchen sprach mit einer fremden Frau.
Dann streichelte er mich noch kurz und fuhr davon.

Die Frau sprach beruhigend auf mich ein und führte mich zu einem anderen Auto, in das sie mich hinein hob.
Die Fahrt ging weiter.
Ich zitterte und verstand nicht, was die
Frau mir erzählte und warum sie weinte.
Dann hielt das Auto endlich und ich
durfte auf einer tollen Wiese schnuppern und mein Geschäft machen.
Auf einmal kamen noch drei andere Collies auf mich zu und begrüßten mich vorsichtig.
Den Rüden mochte ich gleich, der gefiel mir.
Das alte Mädchen schien auch ganz angenehm zu sein, aber die andere Hündin war doch etwas zickig.
Alles war fremd und ich war unglücklich.
Die neue Frau hat mir ein schönes Bettchen gemacht und die ersten Tage neben mir im Wohnzimmer geschlafen.
Jetzt schläft die andere alte Hündin mit mir zusammen auf einem großen Hundebett im Erdgeschoss und das ist richtig schön.
Manchmal kuscheln wir sogar miteinander.
 

Biggy und Lady
 

Ich hatte vergessen wie aufregend Spaziergänge sind.
Das Gras, die Weinberge und die vielen Hunde, die ich kennen lernte,
begeisterten mich ebenso, wie die nette Tierärztin, die mich untersucht und geimpft hat.
Meine Verdauungsprobleme haben sich auch innerhalb kürzester Zeit gelegt und das Fresschen schmeckt jetzt auch viel besser.

Wir erleben so viel zusammen und ich darf fast überall mit hin.
Am liebsten gehe ich mit den anderen in die Hundeschule,
weil es da so viel zu erleben gibt und ich ganz viele Hunde zum spielen kennen gelernt habe.
Oder wir toben durch die Weinberge und ich kann mal wieder richtig rennen.

Mein neues Frauchen sagt, dass die Leute gar nicht wissen, wie toll ein alter Hund ist.
Wir hätten Charisma, was immer das auch sein soll!
Ich darf jetzt für immer bleiben und bin sehr froh darüber, weil ich die anderen alle sehr lieb habe.

Manchmal träume ich von meinem alten Leben und höre sie über Spritze und Erlösung reden.
Dann wache ich auf und mein neues Frauchen ist da.
Wir machen einen tollen Spaziergang und danach gibt es einen Hundekeks.
Und während ich so kaue, bin ich sehr glücklich wie alles gekommen ist....


 

Oldiedamen Biggy und Lady

Das war das Leben von Biggy nach einem halben Jahr bei Conny.
Ergänzen möchte ich noch, Biggis Zustand war sehr katastrophal, die Haare bestanden nur aus Knoten,
ihre Zähne waren in einem schlimmen Zustand,
aber Conny hat mit viel Mühe und Aufwand  Knoten für Knoten beseitigt,
sodass man einen Collie erkennen konnte.

Für Conny war schon nach kurzer Zeit klar, dass Biggy bei ihnen bleiben sollte,
dass man dieser kleinen, alten und zierlichen Hündin nicht noch mal eine Umgewöhnung zumuten wollte.
Sie hatte sich ganz schnell in alle Herzen geschlichen.
Biggy lebte richtig auf, genoss die Spaziergänge in den Weinbergen
und vor lauter Genießen und Schnuppern  vergaß sie manchmal alles und lief in die Weinberge rein.
Da es aber Winter war und dunkel, ihr Gehör nicht mehr das Beste,
musste sie so manches mal kurz gesucht werden,
dann war die Maus wieder zu weit den Berg hoch gelaufen vor lauter Begeisterung,
also bekam sie ein Blinki um und schon war das Problem gelöst und jeder wusste, wo sie war.
Sie bekam für ihre alten Knochen ein weiches, tolles Hundebett und soviel Liebe und Fürsorge.


 
Biggy, Debbie, Scotty und Lady


Und an dieser Stelle möchte ich Dir, liebe Conny, noch mal meinen ganz DICKEN DANK sagen, Du hattest schon soviel Arbeit und trotzdem hast Du Biggy aufgenommen und ihr noch ein Stückchen Himmel geschenkt, auch wenn es nicht immer leicht war. Biggy hat durch Euch noch soviel Liebe und Aufmerksamkeit erfahren, wie sie sicher in ihrem ganzen Leben nicht bekommen hat.
Biggy konnte nichts Besseres geschehen, wie bei Euch ihre letzten Jahre zu verbringen.
Auch Danke, das Du immer da bist und einspringst, wenn es mal wieder um einen Collie geht,
auch wenn Deine Zeiteinteilung so manches Mal anders geplant war, hast Du es immer möglich gemacht und geholfen.


Biggys Zustand verschlechterte sich ganz plötzlich!
Es wurde alles mit ärztlicher Hilfe versucht und am 1. November ist Biggy in Connys Armen Zuhause eingeschlafen.
Sie hatte noch eine wunderschöne Zeit.


 

Nachruf:
geschrieben von Conny

Am 1.November 2003 hat uns unsere geliebte Maus nach kurzer schwerer Krankheit verlassen.
Wir konnten sie nur ein kleines Stück ihres Lebens begleiten, aber es war eine wunderschöne Zeit.
Sie hat uns so viel Liebe entgegen gebracht und Freude geschenkt, dass der Schmerz,
sie zu verlieren schlimmer war, als je für möglich gehalten.
Wir hoffen, sie ist jetzt im Colliehimmel und tobt mit ihren Eltern und Geschwistern.
Ihre einmalige Stimme, ihr unverwechselbarer Gang und ihre süße Art werden uns unvergesslich bleiben.

Mach's gut, kleine Maus!
 

Biggy

 

zurück